Reisetagebücher



Reisetagebuch


    In unserer hektischen Zeit wird es immer schwieriger sich zu entspannen und neue Kräfte zu tanken. Daher hier ein Tipp aus eigener langjähriger Erfahrung: Versuchen Sie es doch im nächsten Urlaub statt mit der stets überfüllten Autobahn einmal mit einer Wasserstraße. Wir haben bereits in den 90er Jahren damit begonnen und durchwegs gute Erfahrungen dabei gemacht.

    Früher wurden auf den Kanälen in Europa vorwiegend Lasten transportiert, heutzutage wirft man dort die Lasten des Alltags über Bord: Stress und Hektik. Zur körperlichen und seelischen Erholung ist eine Hausbootfahrt wirklich sehr zu empfehlen. Es gibt dazu auch reichlich Möglichkeiten, nicht nur im hohen Norden, wie beispielsweise Finnland (siehe unser Foto oben), Norwegen und Schweden sondern auch in Polen, Frankreich, Holland, Irland, Schottland, Italien, Belgien, Spanien, Portugal, Tschechien und England. Außer in Deutschland ist hierfür in den meisten Fällen kein Führerschein erforderlich (und selbst für die Bundesrepublik gibt es inzwischen Ausnahmeregelungen).

    Man fährt dabei mit dem schwimmenden "Wohnmobil" in besserem Fahrradtempo über Kanäle, Flüsse oder Seen. Hausbootfahren ist im Grunde auch nicht wirklich schwer. Im Regelfall erhält man vom jeweiligen Vermieter bei der Bootsübergabe eine ausführliche Einweisung. Und das nicht ganz uneigennützig, denn schließlich mögen es Charterunternehmer nicht so sehr, wenn ihre Kunden mit den teuren Teilen "Schiffe versenken" spielen.

    Die Charterboote sind meist komplett ausgestattet mit WC, Waschbecken und Dusche, einer Küchenecke mit Herd, Kühlschrank und Spüle, sowie Schlaf- und Aufenthaltskabinen. In den Luxus-Ausführungen gibt es darüber hinaus teilweise auch noch GPS, Echolot, Bugstrahlruder, Satellitenfernsehen und DVD-Player. Wir hatten Chateryachten mit extra Kühlschrank auf dem Außensteuerstand, damit man für die gekühlten Getränke nicht immer runter musste. In Finnland kann man sogar Boote mit eigener Sauna an Bord mieten.

    Man kann auf so einer Bootstour richtig schön entspannen und ausgiebig die örtlichen Naturschönheiten genießen. Oftmals gibt es dabei auch genügend Möglichkeiten für kleine und große Abenteuer. Spätestens am ersten Schleusentor machen viele Bootsneulinge, kaum von der Lichthupe ihres PKW entwöhnt, eine recht interessante und völlig neue Erfahrung: ein Motorboot hat zwar keine wirkliche Bremse, allerdings viele Tonnen dynamische Masse. Ungläubig - mit großen Augen - und meistens starr vor Schreck suchen die flotten Neukapitäne nunmehr nach dem Bremspedal, jedoch immer vergeblich. Mit einem furchtbaren Krachen endet daher sehr oft die Fahrt am Schleusentor oder aber im Heck des vorausfahrenden Bootes. Der eher peinliche Vorfall wird dann üblicherweise durch konsternierten Blick (Engländer), irritiertes Grinsen (Ire), ratloses Heben der Arme (Franzose) oder lautstarkes und heftiges Anschnauzen aller übrigen Familienmitglieder (Deutscher) kompensiert. Selbstverständlich ist Vater grundsätzlich immer am Steuer und genauso selbstverständlich völlig unschuldig an dem ganzen Malheur. Meine persönliche Hochachtung insbesondere vor den weiblichen Begleitpersonen an Bord wuchs im Laufe der Jahre von Schleuse zu Schleuse. Die typische deutsche Ehefrau ist zweifellos ein Wesen von unendlicher Güte, Leidensbereitschaft und Loyalität. Aber auch die örtlichen Schleusenwärter sind Kummer gewöhnt und heben bei solchen Zwischenfällen meistens nicht einmal mehr ansatzweise eine Augenbraue, denn wer tagtäglich an solch einer Schleuse arbeitet wird wohl zwangsläufig zum Zyniker oder Philosophen. "Die meisten Menschen können nicht vorausschauend Fahren geschweige denn Denken", erläuterte mir mal vor ein paar Jahren ein schottischer Schleusenwärter und verfiel dann sofort wieder in langes Schweigen.

    Aber trotz allem sind die Grundlagen bei einer Fahrt auf dem Wasser letztlich die gleichen wie auf der Straße. Zunächst sollte man immer genügend Abstand halten und den erforderlichen Bremsweg mit einkalkulieren. Außerdem sollte man so weit wie möglich vorausschauen, und schon dann vom Gas gehen, wenn auch nur der geringste Verdacht auf ein eventuelles Hindernis besteht. Weiterhin sollte man immer mit der maximalen Dummheit der Anderen rechnen, vor allem und ganz besonders aber auch mit der eigenen.
    Viele Charterfirmen beantworten die (nie wirklich gestellte) Frage nach der Intelligenz und den Fähigkeiten ihrer Kundschaft jedenfalls ziemlich eindeutig: Um das Hausboot zieht sich ein recht stabiler Gummipuffer in der Stärke eines Lastwagenreifens und häufig erwartet den Bootsreisenden dann statt der erträumten sportlich eleganten Motorjacht so eine Art nautischer Autoscooter.

    Für zwanghafte Überholer, Drängler und Vollgashektiker kommt spätestens bei einer Schleusentreppe die Stunde der Wahrheit.
    Dabei kristallisieren sich letztlich zwei wesentliche Typen heraus: Typ A wird im Laufe der Zeit immer hektischer und begeht dann früher oder später fast zwangsläufig mit Hilfe des Bootshakens Harakiri. Typ B dagegen fügt sich irgendwann in das obligatorische Schneckentempo, wird zunächst ganz ruhig und schließlich sogar irgendwie still vergnügt. Er entdeckt den Charme der Langsamkeit und vielleicht auch die Schönheit seiner Schleusen-Abschnittsbegleiterin ...






    Wie alles begann: hin und wieder zurück...

    Bevor wir begannen die europäischen Wasserstraßen zu erkunden, hatten wir zunächst mit einem alten VW-Bus auf dem Trockenen "geübt".